Der Wert eines Orientteppichs

Die Wertermittlung eines Orientteppichs ist ein recht kniffliges Problem, da er zum einen ein Gebrauchsgegenstand ist, dem bestimmte Fixkosten zugrunde liegen, zum anderen ein Kunstwerk, das einmalig ist und somit für jedermann einen zusätzlichen ästhetischen Wert besitzt.

Zu den Fixkosten zählen wie bei der Herstellung aller Produkte die Materialkosten und die Personalkosten. Wichtige Faktoren sind die Preise für die Ausgangsprodukte  (z. B. Wollqualität), Ort der Produktion sowie Art und Umfang des benötigten Personals (ob hochqualifizierte oder angelernte Arbeitskräfte bzw. die eingesetzte Anzahl der Arbeitsstunden).

Der ästhetische Wert ist eines der wichtigsten Wertfaktoren.  Auch wenn die Handfertigung von Teppichen durch manche als Erniedrigung gesehen wird ist es die Kunst eines Teppichknüpfers den Teppich je nach seinen Vorstellungen und seiner Expertise zu knüpfen. Wie auch schon die großen Komponisten der vergangenen Jahrhunderte zeichnet sich die schöpferische Hand des Knüpfers bzw. der Knüpferin als Schlüssel zur Aussagekraft eines Teppichs.

Ein weiterer Wertfaktor sind die in den Teppich hineingeknüpften Werte und Traditionen der jeweiligen Provenienzen. Sie verkörpern oft die Erfahrung, Leistung und Leiden einer Kultur. Dieser ästhetische Wert lässt sich nur schwer in eine monetäre Einheit messen und trägt gerade deshalb dazu bei manchen Teppichen sehr wertvoll zu machen.

Die Knotenanzahl eines Teppichs ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Aspekt. Je mehr Knoten pro Quadratdezimeter geknüpft werden umso mehr Arbeitszeit muss aufgewendet werden. Verständlicherweise hängt der Preis eines Teppichs auch von der Zeit ab, die für seine Herstellung gebraucht wird. Ein erfahrener Knüpfer kann täglich durchschnittlich 10 000 bis 14 000 Knoten knüpfen. Er benötigt somit für einen Teppich mittlerer Qualität, (ca. 2500 Knoten pro Quadratdezimeter)  im Format von zwei mal drei Metern ca. fünf Monate bei einer täglichen Produktion von 10 000 Knoten. Für einen Teppich gleicher Größe mit geringerer Knotenzahl,  ca. 500 Knoten pro Quadratzentimeter, bräuchte er jedoch nur einen Monat. Die Knotenanzahl ist wie  bereits erwähnt ein wichtiger Aspekt aber nicht der Wichtigste. Es gibt auch gröbere Teppiche z. B. Herise, die durchaus zur Spitzenklasse gehören.

Ein jeder muss für sich selber entscheiden welcher Wert für ihn mehr überwiegt und ob er mehr als Gebrauchswert oder Kunstwerk zu sehen ist. Somit muss jeder für sich entscheiden was ihm das Stück wert ist ( siehe  z. B. Versteigerungen alter antiker Teppiche ).

Richtig beraten und durch eine gute Behandlung der Teppiche kann ein Teppich sich über die Zeit im Wert verdoppeln. Zugrundeliegend sind die Wertsteigerungen seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Seitdem hat sich der Preis von Orientteppichen fast stetig erhöht. 

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