Die Teppichherstellung

Auf der aktuellen Seite erfahren Sie wissenswerte Informationen zur allgemeinen Herstellung von handgearbeiteten Teppichen, Material und Farben sowie deren Knüpfmethoden und Knotentechniken.

Sollten Sie dennoch offene Fragen zum Thema Teppichherstellung haben, kontaktieren Sie uns einfach, wir beraten Sie gerne.

Teppichherstellung - Knüpfstuhl und Geräte

Da Orientteppiche handgeknüpfte Teppiche darstellen, muss für ihre Herstellung ein Knüpfstuhl benutzt werden. Man unterscheidet zwischen vier verschiedenen Arten von Knüpfstühlen:

  1. Waagerecht liegender Knüpfstuhl
  2. Starrer aufrechter Knüpfstuhl
  3. Aufrechter Täbris Knüpfstuhl
  4. Aufrechter Knüpfstuhl mit drehbaren Weberbäumen

Der liegende Knüpfstuhl ist der älteste seiner Art. Er besteht aus zwei Stangen auf die die Kettfäden gespannt werden. Damit er nicht während der Arbeit verrückt wird, wird er von seinen Erfindern, den Nomaden, in den Boden festgeschlagen.

Der starre aufrechte Webstuhl wird auch als Dorfknüpfstuhl bezeichnet. Dieser besteht aus zwei parallel stehenden Balken, an denen oben und unten je ein starrer Querbalken befestigt wird. Der Raum zwischen den Querbalken dient als Ankerpunkt für die Kettfäden. Das Knüpfen beginnt bei diesem Knüpfstuhl von unten.

Die Weiterentwicklung des starren aufrechten Webstuhls ist der sogenannte Täbris-Knüpfstuhl. Dieser ist in den persischen Zentren weit verbreitet. Die Kettfäden werden bei diesem Knüpfstuhl vom oberen Querbalken um den unteren Balken herum zum Oberen zurückgeführt. Wie man sich vorstellen kann entstehen dadurch eine Vorder- und Rückseite, welche eine geschlossene Schleife darstellt. Somit kann bei Abschluss des vorderen Teils, durch umdrehen des oberen Querbalken, weitergeknüpft und somit die doppelte Länge an Teppich geknüpft werden.

Die letzte Entwicklung des Knüpfstuhls besteht in der Drehbarkeit von oberem und unterem Querbalken. Der obere Querbalken dient dazu die Kettfäden aufzuwickeln und zum Unteren zu führen. Der untere Querbalken wird dann als sogenannter Kettbaum verstanden, auf dem die fertiggestellten Teile eines Teppichs fortlaufend aufgerollt werden. Damit können sehr lange Teppiche gefertigt werden. 

Teppichherstellung - Garne

Die Garne werden je nach Qualität des Teppichs aus Wolle, Seide oder Baumwolle gesponnen. Garne benötigt man für Flor, Kette und Schuss. Der Flor besteht häufig aus Wolle und Seide, wobei man für Kette und Schuss meist Baumwollgarne auf Grund der Strapazierfähigkeit verwendet. Die Wolle ist überwiegend Schaf- oder Kamelhaarwolle. Nachdem die Wolle gewaschen und entfettet ist kann sie gefärbt werden.

Teppichherstellung - Farben

Vor allem die Perser Teppiche sind berühmt für ihre große Farbenpracht. Das Einfärben der Wolle gehört zu einer der wichtigsten Künste bei der Teppichherstellung. Es bedarf komplizierter Vorbereitungsprozesse damit die gesponnene Wolle - aber auch sonstige Materialien - die Farbe besser aufnehmen kann. Nachdem zum Beispiel die Wolle gewaschen und entfettete ist wird sie zunächst 12 Stunden in ein Alaun Bad gelegt. Dieser Vorgang ist ein zweites mal zu wiederholen ehe das Garn in ein Farbbad gelegt werden kann. In diesem muss es je nach Farbton und –intensität Stunden oder Tage verweilen. Bis zur Erfindung der künstlichen Farbstoffe wurden die Farben mittels natürlicher Stoffe, basierend auf pflanzlichen, tierischen, mineralischen Stoffen oder das Sortieren entsprechender Wolltöne hergestellt. Vor allem die Perser waren weltberühmt für die sehr hohe Anzahl an Farbtönen gewonnen auf pflanzlicher Basis. Nach dem Einfärben wird die Wolle bzw. das eingefärbte Material zum Trocknen in die Sonne gelegt.

Teppichherstellung - Knoten

Nach dem Aufspannen der Kettfäden auf den Knüpfstuhl kann das Knüpfen beginnen. Bei der Knüpftechnik gibt es prinzipiell zwei Knotenarten, den türkischen und den persischen Knoten. Der türkische Knoten ist auch bekannt als Ghiordes-Knoten. Dieser entsteht wenn man den Knüpffaden um zwei nebeneinanderliegende Kettfäden schlingt und deren Enden zwischen den Kettfäden nach vorn zieht. Beim persischen Knoten, dem Senneh-Knoten, wird das eine Ende des Knüpffadens um einen Kettfaden geschlungen und das andere Ende um den daneben liegenden Kettfaden geführt.

China Alt
China Seide
Isfahan
Schirwan
Russischer Buchara

Teppichherstellung - Knüpfen

Das Knüpfen beginnt immer von unten nach oben. Meist werden auf die vertikalen Kettfäden zunächst horizontal Schussfäden durchgeschossen.  Es entsteht ein kräftiger Rand an den die Knotenreihen angeknüpft werden können. Dem Teppich wird somit Festigkeit geben und das Aufgehen der Knoten erschwert. Die Knotenreihen werden an den florfreien Rand angereiht. Jeder Knoten wird je nach Technik, persisch oder türkisch, mit einem Stück Knüpfgarn um zwei Kettfäden geschlungen. Nach dem Knüpfen eines Knotens schneidet der Knüpfer das Garn etwa in einer Länge von 7 cm ab und zieht die Garnenden nach unten. Dadurch wird einerseits der Knoten festgezogen, andererseits erhält der Flor eine Richtung. Sie ist Grund für das unterschiedliche farbliche Erscheinungsbild des Teppichs je nach Betrachtungswinkel.

Nach Beendigung einer Knotenreihe in der vollen Breite schießt man durch die Kettfäden Schussfäden durch und schlägt Knotenreihe und Schussfäden mit dem Kamm fest an den bereits fertigen Teil des Teppichs an. Nach ca. 4 bis 6 Reihen bringt man die Garnenden der Knüpffäden auf eine einheitliche Länge. Man spricht auch von einer provisorischen Schur, da die endgültige Schur nach Fertigstellung des Teppichs von Spezialisten erfolgt. Die endgültige Florlänge hängt von der Dichte der Knüpfung, dem Teppichtyp und den Wünschen des Teppichhändlers bzw. der Kunden ab. In der Regel bevorzugen Nomaden Teppiche mit längerer Schur ( gute Bodenisolierung gegen Kälte ), während die Teppichknüpfer in der Stadt dem kürzeren Flor den Vorrang geben.

Der Teppich endet ähnlich wie er begonnen hat. Schussfäden, die eine Art kleinen Kelim bilden, werden fest an die vorherigen Knotenreihen angeschlagen. Die verbleibenden losen Kettfäden am Anfang und am Ende des Teppichs bilden die Fransen. Sie werden oft gedreht oder verknotet, damit sich der Kelim im Laufe der Zeit nicht lockert. Jetzt muss der Teppich nur noch seine endgültige Schur und eine abschließende Wäsche erhalten bevor er verkauft werden kann.

Dennoch auch diese zwei Verarbeitungsschritte sind nicht zu vernachlässigen und sind mit größter Sorgfalt auszuführen. Nur eine perfekte Schur und eine erstklassige Wäsche machen ein bisher perfektes Stück dann auch zu einem Meisterstück.

Der vom Knüpfstuhl kommende Teppich wirkt noch roh und unschön. Zuviel lose Wolle und überschüssige Farbe sind noch in ihm vorhanden. Die Wäsche ordnet und glättet den Flor und lässt das Muster besser in Erscheinung treten. Das abschließende Finish macht die Wolle zudem weicher und verleiht ihr mehr Glanz.

Grob unterscheidet man zwischen zwei Arten von Wäschen, der schlichten Bachwäsche mit anschließendem Trocknen in der Sonne und einer modernen westlichen Wäscherei bei der komplizierte chemische Abläufe zu beachten sind (Schweizer Wäsche). Interessant ist, dass bei der Teppichwäsche selbst Farben verändert werden können (Beispiel: Goldafghan). Ein guter Wäscher kann vorab viele Änderungen bei einem Teppich hervorrufen, die im Laufe der Zeit die Sonne oder das Begehen des Teppichs auch erreicht hätten.

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